Wie lange überleben Familienfotos? Handy, Festplatte, Cloud, Papier – und welche Foto-Dienste schon eingestellt wurden

Kein Speicher hält von allein: Festplatten fallen selbst in Rechenzentren mit rund 1,4 Prozent pro Jahr aus, eine abgenutzte SSD muss laut Norm stromlos nur ein Jahr durchhalten, und Google kann Konten samt Fotos nach zwei Jahren Inaktivität löschen. Dieser Report stellt die belegten Zahlen zu Handy, Festplatte, SSD, CD, Cloud und Papier zusammen, jeweils mit Quelle. Dazu kommt ein Verzeichnis von 20 Foto- und Social-Media-Diensten, die seit 2007 eingestellt wurden oder ihre Regeln so geändert haben, dass Nutzer handeln mussten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbst in klimatisierten Rechenzentren fallen pro Jahr rund 1,4 Prozent aller Festplatten aus, gemessen an 353.041 Laufwerken [1]. Eigene Ableitung: Bei gleichbleibender Rate sind das rund 13 Prozent Ausfallwahrscheinlichkeit über zehn Jahre.
  • Eine Client-SSD muss laut JEDEC-Norm am Ende ihrer spezifizierten Lebensdauer stromlos nur ein Jahr bei 30 °C Daten halten [2]. Für USB-Sticks und SD-Karten haben wir nicht einmal eine solche Norm gefunden.
  • Eine gebrannte Blu-ray (BD-R) hält laut Canadian Conservation Institute meist nur 5 bis 10 Jahre, eine DVD-R mit Silberschicht 10 bis 20 Jahre, eine CD-R mit Goldschicht über 100 Jahre [3].
  • Google darf private Konten samt Google-Fotos-Bildern nach zwei Jahren Inaktivität löschen [4], Microsoft löscht OneDrive-Dateien ebenfalls nach zwei Jahren ohne Nutzung [5].
  • Nur 51 Prozent der Smartphone-Nutzer in Deutschland sichern die Daten ihres Handys [6].
  • Mindestens 20 Foto- und Social-Media-Dienste haben seit 2007 geschlossen oder ihre Regeln so geändert, dass Nutzer handeln mussten; bei Lokalisten und studiVZ wurden laut Betreiber alle Nutzerdaten gelöscht [7], [8].

Lebensdauer der Speichermedien im Überblick

Die Tabelle fasst zusammen, was sich belegen lässt. Die letzte Spalte ist unsere eigene Ableitung aus den belegten Werten und den Empfehlungen des Canadian Conservation Institute (CCI) [3], keine Aussage der zitierten Quellen.

MediumBelegte Lebensdauer oder RisikoQuelleWas Eltern tun sollten (eigene Ableitung)
SmartphoneGerät im Schnitt 24 Monate alt; 51 % sichern ihre HandydatenBitkom [9], [6]Nie einziger Speicherort. Automatisches Backup plus Kopie außerhalb des Herstellerkontos.
Externe Festplatte (HDD)ca. 1,4 % Ausfälle pro Jahr im Rechenzentrum; Höhepunkt nach rund 10 Jahren; Haushalte nicht gemessenBackblaze [1], [10]Eine von mehreren Kopien. Jährlich anschließen und prüfen, nach etwa 5 Jahren ersetzen.
SSDNorm-Minimum 1 Jahr stromlos bei 30 °C (Client-SSD am Ende der Schreiblast)JEDEC [2]Nicht stromlos als Archiv lagern; jährlich anschließen oder umkopieren.
USB-Stick, SD-KarteKeine Norm, keine unabhängige Langzeitmessung gefunden–Zum Transport nutzen, nicht als Archiv.
CD-R, DVD-R, BD-R5 bis über 100 Jahre je nach TypCCI [3]Wenn Disc, dann mit Goldschicht. Kühl, dunkel, senkrecht lagern, alle 5–10 Jahre testen.
M-DISCHerstellerangabe 100 bis 1.000 Jahre; unabhängige Tests uneinheitlich[11]Ergänzung möglich, nie einzige Kopie.
Fotoabzug (Silberhalogenid)hinter Glas je nach Papier ca. 17–40 Jahre bis sichtbares Ausbleichen (Labortest, Bericht von 2008)Wilhelm Imaging Research via [12]Wichtigste Bilder als Laborabzug; an die Wand nur Kopien.
Inkjet-DruckKeine verifizierten Jahreswerte; Pigmenttinte gilt als haltbarer[13]Fotolabor oder Pigmentdrucker nutzen.
Negative (Acetatfilm)Chemischer Zerfall, Tempo abhängig von Temperatur und FeuchteIPI [14]Digitalisieren, Originale kühl und trocken lagern.
CloudLöschung nach 2 Jahren Inaktivität möglich; Sperrungen; Dienste werden eingestelltGoogle [4], Microsoft [5], [15]Eine Kopie, nie die einzige. Jährlich anmelden, Speicher prüfen, exportieren.
DateiformatJPEG, TIFF, PNG, JPEG 2000 empfohlen; HEIC nichtLibrary of Congress [16]Archivkopie als JPEG, Originale zusätzlich behalten.

Der Friedhof der Foto-Dienste

Ein Medium kann kaputtgehen, ein Dienst kann aufhören. Die Tabelle listet Foto- und Social-Media-Dienste, die seit 2007 eingestellt wurden oder ihre Regeln so geändert haben, dass Nutzer handeln mussten, um ihre Fotos zu behalten. Aufgenommen haben wir nur Fälle, die ein Pressebericht oder eine Mitteilung des Betreibers belegt; die Liste ist nicht vollständig.

JahrDienst (Betreiber)Was mit den Fotos passierteQuelle
2007Yahoo Photos (Yahoo)Am 20.09.2007 geschlossen; Umzug zu Flickr oder anderen Fotodiensten angeboten.[17]
2012Kodak Gallery (Kodak)Konten ohne Widerspruch (Frist 28.05.2012) am 02.07.2012 zu Shutterfly übertragen; dort volle Auflösung nur per DVD-Bestellung, manche Konten monatelang nicht zugänglich.[18]
2013SchülerVZ (VZ-Netzwerke)Zum 30.04.2013 abgeschaltet; ob ein Fotoexport möglich war, haben wir nicht geprüft.[19]
2013EverpixAm 05.11.2013 angekündigt, Apps sofort nur noch lesbar; Export bis 15.12.2013.[20]
2014wer-kennt-wen.de (RTL interactive)Anfang Mai angekündigt, am 01./02.06.2014 abgeschaltet; Export als ZIP-Datei angeboten.[21]
2016Picasa Web Albums (Google)Am 12.02.2016 angekündigt, ab 01.05.2016 eingestellt; Inhalte über Google Fotos bzw. das Album-Archiv zugänglich.[22]
2016Lokalisten (ProSiebenSat.1)Zum 30.09.2016 eingestellt; laut Betreiber alle Inhalte und Nutzerdaten dauerhaft gelöscht.[7]
2017PhotobucketEinbettung auf fremden Seiten ab 30.06.2017 nur noch im Bezahltarif; Bilder in Foren und Shops durch Platzhalter ersetzt, aber nicht gelöscht; 2018 teilweise zurückgenommen.[23]
2019Flickr (SmugMug)Gratis-Konten auf 1.000 Fotos und Videos begrenzt; darüber ab 12.03.2019 Löschung, beginnend mit den ältesten.[24]
2019Facebook MomentsApp am 25.02.2019 eingestellt; Export bis Mai 2019 oder Übertragung in private Facebook-Alben.[25]
2019Google+ (Google)Abschaltung ab 02.04.2019; Inhalte über mehrere Monate gelöscht.[26]
2019MySpaceNach einer Servermigration Fotos, Videos und Audiodateien von vor über drei Jahren möglicherweise verloren; laut MySpace nicht wiederherstellbar.[27]
2020Irista (Canon)Zum 31.01.2020 geschlossen; Nutzer sollten ihre Fotos vorher herunterladen.[28]
2020RAISE (Canon USA)Nach dem 30.12.2020 eingestellt; das Löschen des Kontos konnte ein verknüpftes Konto bei Canon Image Connect mitlöschen.[29]
2021Google Fotos (Google)Ab 01.06.2021 zählen neue Uploads in „hoher Qualität“ auf den Gratisspeicher von 15 GB; ältere Fotos ausgenommen.[30]
2021image.canon (Canon)Nach einem Verlust von Fotos und Videos vorübergehend abgeschaltet; verlorene Videos und Originalbilder nicht wiederherstellbar.[31]
2022studiVZ und meinVZ (Poolworks)Zum 31.03.2022 abgeschaltet; laut Betreiber alle Nutzerdaten unwiderruflich gelöscht.[8]
2023Mein Fotostream (Apple)Am 26.07.2023 eingestellt; Fotos lagen dort ohnehin nur 30 Tage, Kopien auf den Geräten blieben.[32]
2023Album-Archiv (Google)Inhalte, die nur dort lagen, etwa Hangouts-Bilder, ab 19.07.2023 gelöscht; Export über Google Takeout.[33]
2023Amazon Drive (Amazon)Ende am 31.12.2023, angekündigt am 29.07.2022; Fotos und Videos automatisch zu Amazon Photos, andere Dateien selbst sichern.[34]

Was der Friedhof zeigt

Die folgenden Punkte sind unsere eigene Auswertung der Tabelle, keine Aussage der Einzelquellen.

Es trifft nicht nur Start-ups. Google steht viermal in der Liste, Canon dreimal, dazu Apple, Amazon, Yahoo und Kodak. Bei zwei deutschen Netzwerken, Lokalisten und studiVZ, wurde beim Abschalten laut Betreiber alles gelöscht.

Meist gab es ein Zeitfenster. In den Fällen, in denen Ankündigung und Abschaltung datiert sind, lagen zwischen beiden rund vier Wochen (wer-kennt-wen) bis knapp eineinhalb Jahre (Amazon Drive). Wer in dieser Zeit keine Mail las oder sich nicht anmeldete, konnte den Export verpassen. Zweimal half kein Zeitfenster: Bei MySpace und image.canon gingen Daten durch technische Probleme verloren.

Nicht jede Änderung ist eine Schließung. Flickr, Photobucket und Google Fotos blieben online, änderten aber ihre Bedingungen, bei Flickr mit Löschung ab dem ältesten Foto. Für eine Sammlung, die ein Kinderleben lang halten soll, heißt das: Jeder Dienst ist austauschbar, die eigene Kopie nicht.

Das gilt auch für uns. Die Familienkapsel ist ein geplanter Dienst und muss sich an denselben Maßstäben messen lassen: offene Formate, Export jederzeit, und deine eigene Kopie bleibt Teil des Plans.

Die Medien im Einzelnen

Wie lange hält ein Handy als Fotospeicher?

Ein selbst gekauftes, privat genutztes Smartphone ist in Deutschland im Schnitt 24 Monate alt; 2024 waren es 17,5 Monate [9]. Das ist das Alter der Geräte im Bestand, nicht ihre gesamte Nutzungsdauer. Nur 51 Prozent der Smartphone-Nutzer erstellen Backups [6]; gefragt wurde nach Handydaten allgemein, eine Erhebung speziell zu Fotos haben wir für Deutschland nicht gefunden.

Laut einem Pressebericht über eine Bitkom-Umfrage von 2021 hatten 40 Prozent der Smartphone-Besitzer schon einmal ein Handy verloren oder es war ihnen gestohlen worden [35]. Eigene Ableitung: Bis zum 18. Geburtstag eines Kindes wechselt eine Familie das Handy mehrmals, und bei jedem Wechsel müssen die Fotos aktiv mitziehen.

Wie lange hält eine externe Festplatte?

Eine der wenigen großen öffentlichen Datenquellen zur Lebensdauer von Festplatten ist der Backup-Anbieter Backblaze, der die Ausfälle seiner Laufwerke regelmäßig veröffentlicht. Im zweiten Quartal 2026 lag die Ausfallrate über die gesamte Laufzeit bei 1,41 Prozent pro Jahr; die Quartalsrate erreichte mit 1,73 Prozent den höchsten Wert seit Längerem [1].

Die Ausfälle steigen mit dem Alter. In der Auswertung von 2025 lag die Rate im ersten Jahr bei knapp 1,30 Prozent und erreichte ihren Höhepunkt mit 4,25 Prozent nach rund zehn Jahren und drei Monaten [10]. 2013, als Backblaze noch Consumer-Laufwerke einsetzte, lag der Höhepunkt bei 13,73 Prozent, schon nach etwa drei Jahren.

Die wichtige Einschränkung: Das sind Laufwerke im Dauerbetrieb in klimatisierten Rechenzentren, überwiegend Enterprise-Modelle. Externe Festplatten im Haushalt fallen herunter, werden transportiert und stehen im warmen Regal; diese Risiken enthalten die Daten nicht. Für Festplatten, die jahrelang ohne Betrieb im Schrank liegen, haben wir keine belastbare Messung gefunden.

Eigene Ableitung: Bei konstant 1,41 Prozent pro Jahr fällt eine Festplatte mit rund 7 Prozent Wahrscheinlichkeit innerhalb von fünf Jahren aus und mit rund 13 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Für den Privatgebrauch ist das eine Untergrenze.

Wie lange hält eine SSD, ein USB-Stick oder eine SD-Karte?

SSDs speichern Daten als elektrische Ladung, die ohne Strom langsam verloren geht. Die Norm JEDEC JESD218 verlangt von einer Client-SSD, dass sie am Ende ihrer spezifizierten Schreiblast ein Jahr stromlos bei 30 °C Daten hält; für Enterprise-SSDs sind es drei Monate bei 40 °C [2]. Das sind Mindestwerte für abgenutzte Laufwerke [36]. Neue, wenig beschriebene SSDs halten Daten meist deutlich länger, eine garantierte Archivdauer gibt es aber nicht [37].

Für USB-Sticks und SD-Karten, die dieselbe Flash-Technik nutzen, haben wir weder eine Norm noch eine unabhängige Langzeitmessung gefunden. Eigene Ableitung: Flash-Speicher ist ein Transport- und Arbeitsmedium, kein Archiv für die Schublade.

Wie lange hält eine CD, DVD oder Blu-ray?

Eine detaillierte Übersicht stammt vom Canadian Conservation Institute, einer Einrichtung der kanadischen Regierung. Die Werte hängen stark von Disc-Typ, Farbstoff und Reflexschicht ab [3]:

Disc-TypGeschätzte Lebensdauer laut CCI
CD-R (Phthalocyanin, Goldschicht)über 100 Jahre
CD-R (Phthalocyanin, Silberlegierung), DVD-R (Goldschicht), gepresste CD50–100 Jahre
CD-R (Cyanin/Azo, Silberlegierung), DVD+R (Silberlegierung), CD-RW, DVD+RW, BD-RE20–50 Jahre
DVD-R (Silberlegierung), BD-R (farbstofffrei, Goldschicht), gepresste DVD und Blu-ray10–20 Jahre
BD-R (Farbstoff oder farbstofffrei, ein- oder zweilagig), DVD-RW, DVD+R DL5–10 Jahre

Die Werte berücksichtigen nur Temperatur und Feuchte. Empfohlen werden Lagerung zwischen −10 und 23 °C (nie über 32 °C) bei 20 bis 50 Prozent Luftfeuchte, senkrecht in Jewel Cases, Beschriftung nur am Innenring mit wasserbasiertem Stift und Stichproben alle fünf bis zehn Jahre [3].

Beschleunigte Alterungstests des US-Normeninstituts NIST ergaben, dass alle getesteten CDs und die meisten DVDs über 30 Jahre halten dürften, bei 25 °C und 50 Prozent Luftfeuchte und mit großen Unterschieden zwischen Herstellern [38]. Die Library of Congress weist darauf hin, dass solche Tests nur grobe Schätzungen liefern [39]. Und eine Disc nützt nur, solange es ein Laufwerk gibt, das sie liest.

Was ist mit der M-DISC?

Die M-DISC wurde mit „bis zu 1.000 Jahren“ beworben, und der heutige Vertriebspartner Verbatim Japan nennt „100 Jahre oder mehr“; unabhängige Tests, über die berichtet wird, kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen [11]. Ein vom Hersteller veröffentlichter Test nach ISO/IEC 10995 ergab 2013 eine mittlere Lebenserwartung von 1.332 Jahren [40]. Das sind Herstellerangaben, keine unabhängige Bestätigung.

Wie lange halten Fotoabzüge und Negative?

Für Fotoabzüge gibt es Labortests von Wilhelm Imaging Research, die vorhersagen, wie lange ein Bild hinter Glas hängen kann, bis das Ausbleichen sichtbar wird. Laut einem Bericht von 2008 lagen Silberhalogenid-Papiere je nach Produkt bei etwa 17 bis 40 Jahren, manche günstige Thermosublimationspapiere bei wenigen Jahren [12]. Im Dunkeln halten Abzüge laut Herstellerangaben deutlich länger. Die Primärdaten waren bei unserer Recherche nicht abrufbar, die Werte sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.

Für Tintenstrahldrucke haben wir keine verifizierten Zahlen gefunden; Pigmenttinten gelten als haltbarer als Farbstofftinten [13]. Negative auf Acetatfilm zerfallen chemisch, erkennbar am Essiggeruch, und wie schnell, hängt stark von Temperatur und Luftfeuchte ab [14]. Jahreswerte dazu konnten wir nicht verifizieren.

Was passiert mit Fotos in der Cloud?

Cloud-Speicher fällt nicht aus wie eine Festplatte, aber er folgt Regeln. Google kann private Konten nach zwei Jahren ohne Nutzung samt Inhalten löschen, ausdrücklich auch Google Fotos, das dafür separat genutzt werden muss [4]. Wer zwei Jahre über dem Speicherlimit liegt, riskiert ebenfalls die Löschung, nach mindestens drei Monaten Vorwarnung [41].

Microsoft löscht OneDrive-Dateien, wenn das Konto zwei Jahre nicht genutzt wurde oder das Speicherlimit überschritten ist [5]. Bei Apple werden iCloud-Backups eines Geräts laut Berichten 180 Tage nach der letzten Sicherung gelöscht [42]; eine allgemeine Löschregel für inaktive Konten haben wir nicht gefunden.

Dazu kommen Sperrungen. 2021 sperrte Google das Konto eines Vaters in den USA, nachdem automatisch gesicherte Fotos seines kranken Kleinkinds, aufgenommen für den Arzt, als Missbrauchsdarstellung eingestuft worden waren; das Konto blieb auch nach seiner Entlastung durch die Polizei gesperrt [15].

Welches Dateiformat hält am längsten?

Die Library of Congress bevorzugt für digitale Fotos JPEG, TIFF, PNG und JPEG 2000 [16]. HEIC, seit 2017 das Standardformat des iPhones, steht nicht auf der Liste; die Bibliothek nennt die Patentlage ein Hindernis für die Verbreitung [43]. Videoformate haben wir für diesen Report nicht untersucht.

Was Eltern aus den Zahlen machen können

Eigene Ableitung aus allen Werten oben: Kein Medium ist ein Archiv, das man vergessen darf. Was trägt, ist die Kombination aus drei Kopien auf mindestens zwei Medientypen, eine davon außer Haus [3], einem festen Termin im Jahr und den wichtigsten Bildern auf Papier. Wie das als Routine aussieht, steht in unserem Plan Kinderfotos sichern. Wohin die Abzüge kommen, zeigt der Ratgeber zur Erinnerungsbox fürs Baby.

Methodik

Dieser Report ist eine Zusammenstellung veröffentlichter Daten; eigene Messungen haben wir nicht durchgeführt. Alle Quellen wurden am 31.10.2026 abgerufen.

Wir haben Primärquellen bevorzugt: Normen, Behörden und Archive, Betriebsdaten wie die von Backblaze, offizielle Anbieter-Richtlinien und Pressemitteilungen der Umfrageinstitute. Wo nur Fachpresse oder Wikipedia verfügbar war, ist das an der Quelle erkennbar und im Text vorsichtig formuliert.

Bei jeder Zahl unterscheiden wir, wer sie erhoben hat. Herstellerangaben, etwa zur M-DISC oder zu Fotopapier im Dunkeln, sind als solche benannt. Unabhängige Messungen stammen von Backblaze, dem CCI, dem NIST und Wilhelm Imaging Research. Anbieter-Richtlinien von Google und Microsoft zeigen, was die Anbieter sich vorbehalten, nicht, wie oft sie tatsächlich löschen.

Eigene Ableitungen, also Berechnungen und Schlussfolgerungen, die so in keiner Quelle stehen, sind im Text als solche gekennzeichnet. Das betrifft die Ausfallwahrscheinlichkeit über fünf und zehn Jahre (1 − 0,9859 hoch Anzahl der Jahre, auf Basis der Backblaze-Lebenszeitrate), die Spalte „Was Eltern tun sollten“ und die Auswertung des Friedhofs.

Die Grenzen: Backblaze misst Rechenzentren, nicht Haushalte. Die Werte zu Fotoabzügen stammen aus einer Sekundärquelle von 2008, weil die Website von Wilhelm Imaging Research nicht abrufbar war. Die Bitkom-Zahl zu verlorenen Handys stammt aus einem Pressebericht, den Bericht der New York Times zur Kontosperrung haben wir über Fachpresse nachvollzogen. Für USB-Sticks, SD-Karten, Tintenstrahldrucke und Negative fehlen belastbare Jahreswerte.

Im Friedhof fehlen Dienste, deren Einstellung wir nicht verifizieren konnten, bewusst. Die Liste ist eine Untergrenze, keine vollständige Chronik.

Offenlegung: Die Familienkapsel plant selbst einen Dienst zur Aufbewahrung von Kinderfotos. Gerade deshalb steht hinter jeder Zahl eine Quelle, die du selbst prüfen kannst.

Zitieren erlaubt

Zahlen, Tabellen und den Friedhof darfst du frei zitieren, in Artikeln, Präsentationen oder im Elternbrief der Kita, mit einem Link auf diese Seite. Ein Vorschlag für die Quellenangabe: „Familienkapsel: Wie lange überleben Familienfotos? Stand 31.10.2026“. Wenn du eine einzelne Zahl übernimmst, nenn am besten auch die Originalquelle aus der Liste unten.

Häufige Fragen

Wie lange hält eine externe Festplatte?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Belastbare öffentliche Daten liefert vor allem Backblaze: Dort fallen pro Jahr rund 1,4 Prozent der Festplatten aus, mit einem Höhepunkt der Ausfallrate nach etwa zehn Jahren. Das sind Rechenzentrumswerte; zu Hause kommen Stürze, Transport und Wärme dazu. Eigene Rechnung: Bei gleichbleibender Rate fällt rund jede achte Platte innerhalb von zehn Jahren aus. Deshalb nie nur eine Festplatte nutzen.

Wie lange hält eine SSD ohne Strom?

Die Industrienorm JEDEC JESD218 verlangt von einer Client-SSD, dass sie am Ende ihrer spezifizierten Schreiblast ein Jahr lang stromlos bei 30 °C Daten hält. Das ist ein Mindestwert für abgenutzte Laufwerke; neue SSDs halten meist deutlich länger. Eine garantierte Archivdauer gibt es aber nicht. Wer eine SSD als Archivkopie nutzt, sollte sie mindestens einmal im Jahr anschließen und die Dateien prüfen.

Wie lange hält ein USB-Stick?

Darauf gibt es keine belastbare Antwort. Für USB-Sticks und SD-Karten haben wir weder eine Norm zur Datenhaltung noch eine unabhängige Langzeitmessung gefunden. Sie speichern Daten mit derselben Flash-Technik wie SSDs, also als elektrische Ladung, die ohne Strom langsam verloren geht. USB-Sticks sind gut zum Transport von Fotos, aber nicht als einzige Kopie, die jahrelang in einer Schublade liegt.

Wie lange hält eine gebrannte CD oder DVD?

Das hängt stark vom Typ ab. Laut Canadian Conservation Institute halten CD-R mit Goldschicht über 100 Jahre, DVD-R mit Goldschicht 50 bis 100 Jahre, DVD-R mit Silberschicht 10 bis 20 Jahre und die meisten gebrannten Blu-rays (BD-R) nur 5 bis 10 Jahre. Voraussetzung ist kühle, trockene, senkrechte Lagerung. Alle fünf bis zehn Jahre sollte man die Lesbarkeit testen und ein Laufwerk aufheben.

Löscht Google Fotos nach zwei Jahren?

Google kann private Konten löschen, die zwei Jahre lang nicht genutzt wurden, ausdrücklich einschließlich Google Fotos. Die Nutzung von Google Fotos zählt dabei separat. Zusätzlich können Inhalte gelöscht werden, wenn ein Konto zwei Jahre über dem Speicherlimit liegt; Google warnt mindestens drei Monate vorher. Wer sich regelmäßig anmeldet, Google Fotos öffnet und das Limit einhält, ist nicht betroffen.

Welches Speichermedium hält am längsten?

Unter den gemessenen Medien schneiden CD-R mit Goldschicht am besten ab, laut Canadian Conservation Institute mit über 100 Jahren. Für die M-DISC gibt es Herstellerangaben von 100 bis 1.000 Jahren, unabhängig bestätigt sind sie nicht. Entscheidend ist aber nicht das eine beste Medium, sondern die Kombination: drei Kopien auf mindestens zwei Medientypen, eine außer Haus, und regelmäßiges Umkopieren, solange es Laufwerke und Software gibt.

Quellen

  1. Backblaze: Backblaze Drive Stats for Q2 2026 (29.09.2026)
  2. Alvin Cox (JEDEC): JESD218-Anforderungen an SSDs, Flash Memory Summit 2011
  3. Canadian Conservation Institute: CCI Notes 19/1 – Longevity of Recordable CDs, DVDs and Blu-rays (J. Iraci, rev. 2019)
  4. Google: Updating our inactive account policies (16.05.2023)
  5. Microsoft Support: Why did I get an email saying your account will be deleted?
  6. Bitkom: World Backup Day – Sicherung von Smartphone-Daten (Pressemitteilung, 30.03.2023)
  7. deutsche-startups.de: Lokalisten am Ende! Soziales Netzwerk wird abgeschaltet (03.09.2016)
  8. WinFuture: StudiVZ und MeinVZ – Am 31. März 2022 wird endgültig abgeschaltet
  9. Bitkom: Mehr als 40 Mrd. Euro Umsatz rund um Smartphones (Pressemitteilung, 20.02.2025)
  10. Backblaze: Are Hard Drives Getting Better? Let's Revisit the Bathtub Curve (15.10.2025)
  11. Wikipedia (englisch): M-DISC
  12. Photography Blog: Fujicolor Crystal Archive Paper (27.10.2008, mit Werten von Wilhelm Imaging Research)
  13. Wikipedia (englisch): Print permanence
  14. Nishimura (Image Permanence Institute): AIC Topics in Photographic Preservation, Vol. 5 (1993)
  15. PetaPixel: Google Flags Photos of Father's Sick Son as Child Abuse, Informs Police (22.08.2022, zum Bericht der New York Times)
  16. Library of Congress: Recommended Formats Statement – Still Image Works
  17. BetaNews: Yahoo to Migrate Photos Users to Flickr (04.05.2007)
  18. PetaPixel: Kodak Gallery Officially Offline, Some Accounts May Take Months to Reactivate (06.07.2012)
  19. News4teachers: SchülerVZ wird Ende April abgeschaltet (04/2013)
  20. TechCrunch: Everpix, The Cloud-Based Photo Startup, Is Shutting Down (05.11.2013)
  21. deutsche-startups.de: wer-kennt-wen wird im Juni endgültig eingestellt (05.05.2014)
  22. The Next Web: R.I.P. Picasa – Google shutters aging photo service (12.02.2016)
  23. TechSpot: Photobucket faces wrath of users after quietly introducing third-party hosting fee (2017)
  24. WinFuture: Gnadenfrist verlängert – Flickr löscht erst ab 12. März (2019)
  25. TechCrunch: Facebook is shutting down Moments; here's how to save all your photos (24.01.2019)
  26. YourStory: Google+ shutdown begins on April 2 (02/2019)
  27. The Register: MySpace server migration data loss (18.03.2019)
  28. Photo Review: Canon to close Irista photo service on 31 January
  29. Canon USA: FAQs about the RAISE Photo Community Platform Shutdown
  30. PetaPixel: Google To Kill Free Unlimited Storage for High Quality Photos (11.11.2020)
  31. TechRadar: Canon says its cloud service can't restore users' lost videos or full-size images (2021)
  32. PetaPixel: Apple's Original Photo Cloud Sync Service is Going Offline (30.05.2023)
  33. Tom's Guide: Google's shutting down Album Archive – here's how to back up your photos (2023)
  34. TechCrunch: Amazon shuts down its personal file storage service to focus on Photos (29.07.2022)
  35. it-daily.net: Vier von zehn Personen ist schon das Handy verloren gegangen (27.07.2021, Umfrage von Bitkom Research)
  36. Dell Knowledge Base 000198930: SSD data retention considerations when powering off systems for a prolonged duration
  37. AnandTech: The Truth About SSD Data Retention (2015)
  38. NIST: Slattery et al., Stability Comparison of Recordable Optical Discs (J. Res. NIST 109(5), 2004)
  39. Library of Congress: CD-R/DVD-R/RW Longevity Research
  40. StorageNewsletter: Millenniata Announces Results of ISO/IEC 10995 Standard Tests (10.06.2013, Herstellerangabe)
  41. Google One Hilfe: Richtlinien für inaktive Konten und Überschreitung des Speicherkontingents
  42. TidBITS: Beware – iCloud Backups Deleted After 180 Days (11.06.2020)
  43. Library of Congress: Format Description HEIF/HEIC (fdd000526)