Alte Fotos digitalisieren: selbst scannen, per App oder machen lassen

Alte Fotos digitalisierst du am gründlichsten mit einem Flachbettscanner, am schnellsten mit einer Handy-App und am bequemsten über einen Scan-Service, dem du die Abzüge schickst. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie viele Bilder es sind und ob sie in einem Klebealbum stecken. Hier sind alle drei Wege mit Auflösung, Kosten und den Schritten danach, damit die Bilder in der Galerie am richtigen Datum landen.

Welcher Weg zu dir passt

Für alte Fotos gibt es drei Wege, und keiner ist für alle der beste. Der Flachbettscanner liefert die schärfsten Dateien und schont die Abzüge, kostet aber Abende. Eine Handy-App ist schnell und passt in jede Hosentasche, arbeitet aber ungenauer. Ein Scan-Service nimmt dir die Arbeit ab, dafür gibst du die Originale aus der Hand und zahlst pro Bild.

FlachbettscannerHandy-AppScan-Service
Qualitätam höchsten, Auflösung frei wählbarreicht fürs Handy, schwächer im Detailhoch, je nach gebuchter Auflösung
Tempolangsam, Bild für Bildschnell, manche Apps erfassen mehrere Bilder pro Aufnahme [8]du wartest auf die Rücksendung
KostenGerät kaufen oder leihenkostenlos bis Abo0,12 bis 0,50 € pro Foto bei 600 dpi, je nach Menge [10] [12]
Klebealbenganze Seiten, mit Vorsichtganze Seiten möglichScan im Album wird angeboten [11]
Gut fürAlben, die du in Ruhe durchgehstFotos bei Verwandten, schnelle Auswahlmehrere Hundert Bilder auf einmal

Viele Familien kombinieren die Wege. Die Schuhkarton-Masse geht an einen Service, die zwanzig wichtigsten Bilder scannst du selbst, und die Fotos, die bei Tante Ilse an der Wand hängen, fotografierst du beim nächsten Besuch mit der App ab. Wenn im Karton auch Dias oder Negative liegen, brauchen die eine eigene Technik; sie steht unter Dias digitalisieren.

Bevor du scannst: sortieren und fragen

Breite die Bilder auf einem sauberen, trockenen Tisch aus und fass sie an den Rändern an. Klebezettel gehören nicht auf Fotos, auch nicht kurz [2]. Sortier in drei Stapel: zuerst scannen, später scannen, nicht scannen. Verwackelte Doppel und zwanzig Bilder vom selben Sonnenuntergang dürfen in den dritten.

Das Museum of Ventura County rät, vor dem Scannen so viel wie möglich über die Bilder herauszufinden und notfalls ein Handyfoto an Verwandte zu schicken, die mehr wissen [2]. Wer ist die Frau neben Opa? In welchem Sommer war das Zeltlager? Solche Antworten bekommst du heute mit einem Anruf, in zehn Jahren vielleicht nicht mehr.

Kommt die Antwort als Sprachnachricht, heb sie mit auf; wie das geht, steht unter WhatsApp-Sprachnachrichten speichern.

Und: Wirf die Originale nach dem Scannen nicht weg. Das empfehlen sowohl die Minnesota Historical Society als auch das Museum of Ventura County, weil digitale Dateien eigene Risiken haben [1] [2]. Willst du etwas notieren, dann mit weichem Bleistift auf der Rückseite nahe am Rand, wie es die Library of Congress empfiehlt [3].

Welche Auflösung du brauchst

Die Auflösung gibt an, wie viele Bildpunkte pro Zoll der Scanner erfasst; Scanner nennen das meist dpi, Archive ppi. Für Papierabzüge reichen laut Minnesota Historical Society 300 ppi, um ein Bild in Originalgröße zu drucken. Für Vergrößerungen oder besonders wertvolle, detailreiche Fotos empfiehlt sie 600 ppi [1]. Das Museum of Ventura County nennt dieselbe Spanne [2].

Für ein Familienarchiv sind 600 dpi deshalb ein guter Standard. Bei sehr kleinen Abzügen geht die Society höher: Ein quadratisches Bild mit rund 9 Zentimetern Kantenlänge braucht 960 ppi, um es auf etwa 20 x 25 Zentimeter zu vergrößern [1]. Dias und Negative sind noch kleiner und brauchen deutlich mehr.

Zwei Einstellungen machen mehr aus als die Auflösung. Scanne auch Schwarz-Weiß- und Sepia-Bilder in Farbe, weil die Datei so mehr Details festhält; in Graustufen umwandeln kannst du später immer, zurück nicht [1]. Und speichere die Archivfassung verlustfrei als TIFF oder PNG. JPEG verliert bei jedem Speichern etwas Bildinformation, ist aber überall lesbar; viele Einrichtungen heben deshalb TIFF auf und verschicken JPEG-Kopien [1].

Fang mit den Babyfotos der Eltern an

Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: bei den Kinderfotos von dir und deinem Partner oder deiner Partnerin. Sie liegen oft in den Alben der Großeltern und sind die Bilder, nach denen dein Kind irgendwann fragt. Wie sah Mama mit drei aus? Hatte Papa auch so abstehende Ohren?

Ein Beispiel, wie das später aussehen kann: das Foto deiner Tochter am ersten Schultag, und daneben Papa 1989, mit Schultüte und Topfschnitt. Damit solche Paare nicht in einem Ordner namens „Scans_final_2“ verschwinden, ist die Familienkapsel gedacht. Dort liegen die Kinderfotos der Eltern neben denen des Kindes, und Oma kann ihre eigenen Scans dazulegen.

Die Kapsel ersetzt kein Backup. Die vollständigen Scans gehören zusätzlich auf deine eigenen Festplatten, dazu unten mehr.

Mit dem Flachbettscanner

Der Flachbettscanner ist der schonendste Weg, weil das Foto nur auf einer Glasplatte liegt. Die Minnesota Historical Society rät von Büro-Multifunktionsgeräten und Einzugsscannern ab, weil sie Fotos beschädigen können und sich schlechter einstellen lassen [1]. Das Museum of Ventura County warnt, dass automatische Einzüge Fotos ruinieren können, wenn sie sich verklemmen [2].

So gehst du vor: Glasplatte abstauben, Foto mit dem Bild nach unten gerade auflegen, Vorschau scannen. Das Foto muss vollständig auf die Platte passen, sonst kann der Deckel es knicken [2]. Wähl den Ausschnitt so, dass der weiße Rand mit drauf ist; zuschneiden kannst du später, nachträglich ergänzen nicht [2].

Speichere jede Bearbeitung als neue Datei und überschreib nie den Rohscan [1]. Wer kein eigenes Gerät kaufen möchte, fragt in der Stadtbücherei oder bei Freunden nach. Plan lieber mehrere kurze Abende ein als einen langen Sonntag, und notier nebenbei Namen und Jahreszahlen.

Mit der Handy-App

Apps sind der schnellste Weg, aber nicht der beste. Die Minnesota Historical Society hält sie in fast jeder Hinsicht für unterlegen, außer bei der Bequemlichkeit. Sie empfiehlt sie vor allem für Fotos, die bei Verwandten liegen und die du sonst gar nicht kopieren könntest [1].

Kostenlos ist der Fotoscanner von Google Fotos. Er macht mehrere Aufnahmen pro Bild, um Spiegelungen herauszurechnen, schneidet automatisch zu und korrigiert schiefe Perspektiven; die Scans landen in Google Fotos [6]. Die letzte Aktualisierung stammt im App Store vom November 2022 und bei Google Play vom Juli 2023 [6] [7]. Er funktioniert, bekommt aber seit Jahren keine Updates mehr.

Photomyne erfasst mehrere Abzüge mit einer Aufnahme, scannt ganze Albumseiten und kann die Rückseite eines Fotos mit dem Bild verknüpfen. Die App ist kostenlos mit In-App-Käufen, unbegrenztes Scannen gibt es nur mit einer Mitgliedschaft [8]. Microsoft Lens, das ältere Ratgeber noch empfehlen, hat Microsoft eingestellt; seit dem 9. März 2026 lassen sich damit keine neuen Scans mehr anlegen [9].

Für brauchbare Ergebnisse: helles Tageslicht von der Seite, kein Blitz, Handy parallel zum Foto halten. Glänzende Abzüge legst du so, dass sich weder Fenster noch Lampe darin spiegeln.

Fotos digitalisieren lassen: was es kostet

Ein Scan-Service lohnt sich ab einigen Hundert Bildern. Zwei Beispiele von den Preisseiten der Anbieter, jeweils inklusive Mehrwertsteuer, Stand: November 2026:

  • MediaFix: 0,29 € pro Foto bei 600 dpi bis 500 Stück, 0,25 € von 501 bis 1.500 Stück; mit 1.200 dpi 0,43 € bis 500 Stück. Versandkosten können dazukommen [10].
  • fotoporto: ein „All-Inclusive“-Angebot ab 100 Abzügen mit 600 dpi für 0,35 € pro Bild, ab 500 Stück 0,20 €. Abzüge bis 13 x 18 cm, die dessen Voraussetzungen nicht erfüllen, kosten 0,50 € bei 600 dpi (bis 299 Stück). TIFF kostet 0,10 € Aufpreis pro Bild, der Rückversand innerhalb Deutschlands 3,95 €, ein USB-Stick 12,95 € [12].

Für 500 Abzüge mit 600 dpi liegst du damit je nach Anbieter und Angebot zwischen 100 und 215 Euro, plus Versand und Datenträger. Welche Abzüge für das günstigere Komplettangebot in Frage kommen, steht auf der Preisseite nicht; frag vorher nach. Frag auch, ob Rückseiten mitgescannt werden und in welchem Format die Dateien kommen. Und schick nicht alle Originale auf einmal, sondern zuerst einen Probekarton.

Fotos in Klebealben: nicht mit Gewalt lösen

Manche Alben haben selbstklebende Seiten mit einer Folie darüber, oft „Magnetalben“ genannt. Die Library of Congress rät von Alben mit farbigen, „magnetischen“ oder klebenden Seiten ab [3]. Die Bilder deshalb jetzt herauszureißen, wäre trotzdem der falsche Schluss.

Die Archive der kanadischen Stadt Coquitlam raten zwar, Abzüge aus solchen Alben zu nehmen, wo es möglich ist, weil die Seiten weiter altern. Kleben Fotos aber fest, solltest du sie nicht selbst lösen, weil der Abzug reißen kann. Dann lieber das Album gut lagern, die Seiten scannen und bei Bedarf eine Restauratorin oder einen Restaurator fragen [4].

Scanne also ganze Seiten. Auf dem Flachbettscanner legst du das Album vorsichtig auf und drückst weder auf die Fotos noch auf den Rücken; die Library of Congress warnt beim Kopieren von Alben ausdrücklich vor Kraft auf eingeklebte Stücke und Bindung [5]. Apps wie Photomyne erfassen ganze Albumseiten [8].

MediaFix scannt im Album, ohne die Bilder herauszunehmen, für 0,59 € pro Einzelfoto oder 0,89 € pro ganzer Seite bis 500 Stück, Stand: November 2026 [11]. Der Vorteil der ganzen Seite: Omas Beschriftung und die Reihenfolge bleiben erhalten.

Rückseiten mitscannen und das Datum in die Datei schreiben

Dreh jedes Foto um, bevor es zurück in den Karton geht. Auf der Rückseite stehen oft Namen, ein Jahr, der Stempel des Fotolabors, manchmal ein ganzer Satz. Scanne beschriftete Rückseiten als eigene Datei mit demselben Namen und dem Zusatz „rueckseite“, damit beide zusammenbleiben. Die Handschrift selbst ist dabei oft das Wertvollste.

Ein Scan trägt als Datum den Tag, an dem du ihn gemacht hast. Deshalb landet die Hochzeit deiner Großeltern von 1962 in der Galerie zwischen den Screenshots von gestern. Das korrigierst du so:

  • iPhone: Foto in der App „Fotos“ öffnen, auf die Taste „Mehr“ tippen, dann auf „Informationen anpassen“ und „Datum & Uhrzeit anpassen“. Für mehrere Bilder tippst du in der Mediathek auf „Auswählen“. Im selben Info-Bereich gibt es ein Feld für eine Beschreibung, in das Namen passen [13].
  • Google Fotos: Foto öffnen, Info aufrufen und neben Datum und Uhrzeit auf „Bearbeiten“ tippen. Das geht nur bei gesicherten Fotos, und beim Herunterladen oder Teilen kann wieder das ursprüngliche Datum erscheinen [14].

Weil das Datum in der Datei beim Weiterreichen verloren gehen kann, schreib es zusätzlich in den Dateinamen: 1962-06_hochzeit-gisela-heinz.jpg und 1962-06_hochzeit-gisela-heinz_rueckseite.jpg. Kennst du nur das Jahr, nimm den 1. Januar und vermerke „ungefähr“ in der Beschreibung.

Danach: sichern und teilen

Ein Scan ist erst gerettet, wenn er an mehr als einem Ort liegt. Wie du die Dateien mit drei Kopien, eine davon außer Haus, über Jahrzehnte hältst, steht unter Fotos sichern. Wie lange Festplatten, Cloud-Konten und Papier durchhalten, vergleicht unser Report zur Haltbarkeit von Familienfotos.

Und dann zeig die Bilder, denn ein USB-Stick in der Schublade zeigt niemandem etwas. Welche Wege dafür taugen, steht unter Fotos mit der Familie teilen. Liegen im selben Karton alte Videokassetten, geht es unter Videokassetten digitalisieren weiter.

Häufige Fragen

Wie kann man alte Fotos digitalisieren?

Auf drei Wegen: mit einem Flachbettscanner, mit einer Handy-App oder über einen Scan-Service, dem du die Abzüge schickst. Der Scanner liefert die beste Qualität und schont die Bilder, braucht aber Zeit. Die App ist schnell, aber ungenauer. Der Service lohnt sich bei mehreren Hundert Fotos. Danach schreibst du das Aufnahmedatum in die Dateien und sicherst sie an mindestens zwei Orten.

Welche Auflösung brauche ich, um Fotos zu digitalisieren?

Für normale Papierabzüge reichen 300 ppi, wenn du sie nur in Originalgröße anschauen oder drucken willst. Für Vergrößerungen und besonders wertvolle Bilder empfehlen Archive 600 ppi. Bei sehr kleinen Abzügen darf es mehr sein, damit die Datei groß genug für einen Druck wird. Scanne auch Schwarz-Weiß-Bilder in Farbe, weil die Datei so mehr Details festhält.

Welche App eignet sich, um alte Fotos zu digitalisieren?

Kostenlos ist der Fotoscanner von Google Fotos, der Spiegelungen durch mehrere Aufnahmen herausrechnet; er wurde allerdings seit 2022 im App Store und seit 2023 bei Google Play nicht mehr aktualisiert. Photomyne scannt mehrere Bilder auf einmal und verknüpft Rückseiten mit dem Foto, unbegrenztes Scannen gibt es aber nur mit kostenpflichtiger Mitgliedschaft. Microsoft Lens wurde 2026 eingestellt.

Was kostet es, Fotos digitalisieren zu lassen?

Bei MediaFix kostet ein Scan mit 600 dpi 0,29 Euro pro Foto bis 500 Stück und wird bei größeren Mengen günstiger. Bei fotoporto kostet ein 600-dpi-Scan im Komplettangebot ab 100 Abzügen 0,35 Euro, sonst 0,50 Euro pro Abzug bis 299 Stück; dazu kommen Rückversand und Datenträger. Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer, Stand: November 2026. Für 500 Fotos rechnest du mit 100 bis 215 Euro.

Wie digitalisiere ich Fotoalben mit Klebeseiten?

Löse festklebende Fotos nicht mit Gewalt, denn Abzüge können dabei reißen. Archive raten stattdessen, die ganzen Seiten zu scannen und bei wertvollen Bildern eine Restauratorin oder einen Restaurator zu fragen. Mit dem Flachbettscanner legst du das Album vorsichtig auf, ohne auf den Rücken zu drücken. Manche Apps und Scan-Services digitalisieren ganze Albumseiten, ohne die Fotos herauszunehmen.

Kann ich Fotos mit dem Scanner meines Druckers digitalisieren?

Wenn das Gerät eine Glasplatte hat, auf die du das Foto legst, geht das grundsätzlich. Die Minnesota Historical Society rät aber von Büro-Multifunktionsgeräten und Einzugsscannern ab, weil man dort Auflösung und Einstellungen schlechter steuern kann und Einzüge Fotos beschädigen können. Ziehe ein Foto nie durch einen automatischen Einzug. Prüf vorher, ob du die Auflösung frei wählen und als TIFF oder PNG speichern kannst.

Quellen

  1. Minnesota Historical Society: Digitizing Your Family Photographs (Broschüre)
  2. Museum of Ventura County: Digitizing Family Photographs (2020)
  3. Library of Congress: Care, Handling, and Storage of Photographs
  4. City of Coquitlam Archives: Caring for Your Photo Albums and Scrapbooks
  5. Library of Congress: Preservation of Scrapbooks and Albums
  6. App Store (Deutschland): Fotoscanner von Google Fotos
  7. Google Play: Fotoscanner von Google Fotos
  8. App Store (Deutschland): Fotoscanner von Photomyne
  9. Microsoft Support: Retirement of Microsoft Lens
  10. MediaFix: Fotos digitalisieren (Preisliste)
  11. MediaFix: Fotoalben digitalisieren (Preisliste)
  12. fotoporto: Produkte und Preise (Stand 01.01.2026)
  13. Apple Support: Foto- und Videoinformationen auf dem iPhone ansehen (iOS 27)
  14. Google Fotos-Hilfe: Fotos bearbeiten (Abschnitt Datum und Uhrzeit ändern)